
Meine persönliche Skiwahl für Norwegen
Welche Tourenski für die Lyngen Alps?
Eine der häufigsten Fragen, die ich vor einer Skitourenwoche in Norwegen bekomme, lautet:
„Welchen Ski soll ich nach Lyngen mitnehmen?“
Eine pauschale Antwort gibt es darauf nicht. Viel hängt vom eigenen Fahrstil, den Erwartungen an die Abfahrt und natürlich vom Gewicht des gesamten Setups ab.
Ich selbst werde seit einigen Jahren von Völkl unterstützt. Natürlich gibt es auch viele andere hervorragende Tourenski auf dem Markt. Ich fahre jedoch seit vielen Jahren Völkl und bin mit den Ski außerordentlich zufrieden. Durch meine Tätigkeit bei den World Ski Test habe ich jedes Jahr die Möglichkeit, nahezu alle aktuellen Touren- und Freeridemodelle der großen Hersteller zu testen. Gerade deshalb freue ich mich, mit einer Marke zusammenzuarbeiten, hinter der ich auch aus voller Überzeugung stehe.
Die perfekte Kombination aus Aufstieg und Abfahrt
Bei der Wahl des richtigen Skis denken viele zuerst an die Abfahrt. Verständlich – schließlich träumt jeder von perfekten Pulverschneehängen.
Für mich gehört jedoch immer die Gesamtperformance dazu. Ein Ski muss nicht nur bergab überzeugen, sondern sich auch im Aufstieg effizient bewegen lassen. Die meisten Skitouren in den Lyngen Alps umfassen rund 1.000 Höhenmeter, nur selten deutlich mehr als 1.200. Das klingt zunächst überschaubar. Während einer Skitourenwoche summieren sich diese Anstiege jedoch auf rund 6.000 Höhenmeter. Spätestens dann macht sich jedes zusätzliche Gramm an den Füßen bemerkbar.
Oft wird angenommen, dass man für Norwegen möglichst breite Freerideski benötigt. Meine Erfahrung sieht etwas anders aus. Natürlich bieten Ski mit mehr als 100 Millimetern Mittelbreite im tiefen Pulverschnee Vorteile. Der Schnee in den Lyngen Alps ist jedoch meist etwas kompakter als der typische Champagne Powder.. Der zusätzliche Auftrieb ist deshalb häufig gar nicht entscheidend. Viel wichtiger sind Laufruhe, Stabilität bei wechselnden Schneeverhältnissen und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Gewicht und Abfahrtsperformance.
Völkl Rise High 88 – wenn es leicht und effizient sein soll
Mein leichtester Tourenski ist der Völkl Rise High 88. Ursprünglich habe ich ihn mir für Lyngen på langs angeschafft – die mehrtägige Durchquerung der Lyngen Alps mit langen Etappen und vielen Höhenmetern. Genau dafür wurde dieser Ski entwickelt: leicht, effizient und angenehm im Aufstieg.
Mit der Zeit hat sich aber gezeigt, dass der Rise High 88 weit mehr kann. Er fährt sich überraschend souverän und macht auch auf ganz normalen Tagestouren richtig Spaß. Deshalb greife ich deutlich häufiger zu ihm, als ich ursprünglich gedacht hätte.
In Kombination mit dem Dalbello Quantum Evolution entsteht ein extrem leichtes Setup, das sich besonders für längere Anstiege und alle eignet, die möglichst kraftsparend unterwegs sein möchten.
Völkl Rise 96 – mein Allrounder
Wenn ich nur einen Ski mit nach Lyngen nehmen dürfte, wäre es ohne Zweifel der Völkl Rise 96.
Mit seiner etwas größeren Mittelbreite bietet er mehr Reserven im weichen Schnee als der 88er, bleibt aber dennoch angenehm leicht. Genau diese Vielseitigkeit macht ihn für mich zum perfekten Standardski für die meisten Bedingungen, die man in den Lyngen Alps antrifft.
Je nach Tour kombiniere ich ihn entweder mit dem leichten Dalbello Quantum Evolution oder – wenn ich den Schwerpunkt etwas stärker auf die Abfahrt lege – mit meinem Dalbello Cabrio 120.
Für die meisten Skitouren in Norwegen ist dieses Setup meine erste Wahl.
Völkl Blaze 104 – wenn der Powder ruft
An richtig guten Pulverschneetagen kommt der Völkl Blaze 104 zum Einsatz.
Mit seiner breiteren Bauweise vermittelt er enorme Laufruhe und Sicherheit, selbst wenn der Schnee anspruchsvoller wird oder höhere Geschwindigkeiten gefahren werden. Genau das schätze ich an diesem Ski besonders. Der zusätzliche Auftrieb ist zwar angenehm, noch wichtiger ist für mich aber das ruhige Fahrverhalten in den oft weitläufigen Hängen der Lyngen Alps.
Trotz seiner 104 Millimeter Mittelbreite bleibt das Gesamtgewicht angenehm niedrig, da ich ihn mit einer Marker Alpinist Bindung fahre. Als Schuh kommt mein bewährter Dalbello Lupo 130zum Einsatz – ein Setup, das ganz klar auf maximale Abfahrtsperformance ausgelegt ist. Bei den älteren Lupo Modellen konnte man die Lasche während des Aufstieges abnehmen. Die Aufstiegsperformance erhöht sich dadurch wirklich entscheidend. Für die Saison26/27 ist nun ein neues Modell mit diesem Feature geplant.
Welcher Ski eignet sich für Lyngen?
Die Lyngen Alps bieten während einer Saison ganz unterschiedliche Schneeverhältnisse. Von kaltem Pulverschnee im Februar über wechselhafte Frühjahrsbedingungen bis hin zu perfektem Firn im Mai ist alles möglich.
Aus meiner Sicht liegt die ideale Mittelbreite für die meisten Tourengeher irgendwo zwischen 90 und 100 Millimetern. Damit erhält man einen hervorragenden Kompromiss aus Gewicht, Aufstiegseffizienz und Abfahrtsperformance.
Wer möglichst viele Höhenmeter machen möchte oder einen besonders sportlichen Aufstieg bevorzugt, wird einen leichten Ski schnell schätzen lernen. Wer dagegen den Schwerpunkt klar auf die Abfahrt legt und frischen Pulverschnee liebt, wird mit einem etwas breiteren Modell glücklicher sein.
Mein Fazit
Alle drei Ski haben ihren festen Platz in meinem Materialraum und kommen jedes Jahr in den Lyngen Alps zum Einsatz.
Müsste ich mich allerdings auf nur einen Ski beschränken, würde meine Wahl auf den Völkl Rise 96 fallen. Er vereint geringes Gewicht, hohe Vielseitigkeit und hervorragende Fahreigenschaften so ausgewogen, dass er für die meisten Touren in Nordnorwegen die beste Lösung ist.
Letztlich gibt es aber nicht den perfekten Ski. Entscheidend ist, dass das Material zum eigenen Fahrstil und zu den geplanten Touren passt. Ein leichter Ski, mit dem man nach sechs Tourentagen immer noch Kraft für die Abfahrt hat, bringt oft mehr Freude als ein schweres Freeride-Setup mit maximalem Auftrieb.
Wer seine Ausrüstung als Gesamtsystem betrachtet – Ski, Bindung und Schuh – wird in den Lyngen Alps langfristig mehr Freude haben. Denn am Ende zählt nicht nur die beste Abfahrt, sondern die Performance einer ganzen Skitourenwoche.
Hier findet ihr mehr zu meinen geführten Skitourenwochen in den Lyngen Alpen



